Choose your language

Tipp vom Doc

Bindehautentzündung: Schnupfen in den Augen

In der kalten Jahreszeit werden oft Kinder in der Praxis vorgestellt, bei denen die Augen schmierig und gerötet sind. Bindehautentzündung - das Krankheitsbild wird immer noch oft dramatischer gemacht als es eigentlich ist.

Das Auge sabbert, ist besonders morgens verklebt, in der Bindehaut sind rote Blutgefäße zu sehen - und nicht selten wird eine antibiotische Behandlung gefordert. Dabei ist das Krankheitsbild in aller Regel harmlos. Es lässt sich auch wunderbar als Augenschnupfen bezeichnen: So wie die Nase läuft, so läuft eben auch das Auge.

Wenn das Kind fit ist, aktiv ist, kein Fieber hat, dann ist das kein Grund, nicht in eine Gemeinschaftseinrichtung zu gehen und es ist eigentlich auch kein Grund, in die Kinderarztpraxis zu gehen.

Es kann sein, dass der Augenschnupfen bakteriell besiedelt ist, das kann man nicht sehen, das müsste man mit einem Abstrich klären - was aber unwirtschaftlich ist und letztlich auch ohne Konsequenz. Denn selbst bei einer bakteriellen Besiedelung wäre man sehr, sehr zurückhaltend mit der Gabe antibiotischer Augentropfen. Und auch das wäre noch immer kein Grund, nicht in eine Gemeinschaftseinrichtung zu gehen.

Das ist übrigens nicht unsere private Meinung, das ist von der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie so dokumentiert (Link unten) und auch von der Deutschen Kinderärztegesellschaft sowie vom Berufsverband der Kinderärzte so angewiesen.

Wir möchten also die Eltern sensibilisieren: Grund für eine antibiotische Behandlung besteht, wenn es über lange Zeit nicht besser wird oder das Kind einen großen Leidensdruck hat, also das Auge wehtut oder ein starkes Fremdkörpergefühl vorliegt. In allen anderen Fällen ist es in der kalten Jahreszeit eine ganz normale Geschichte, die keine Therapie braucht - oder allenfalls eine symptomatische Behandlung, zum Beispiel mit pflanzlichen Augentropfen wie Euphrasia, oft zusätzlich Nasentropfen, damit das Sekret vom Auge besser ablaufen kann.

Link zum Standard der antibiotischen Therapie in der ambulanten Pädiatrie: https://dgpi.de/wp-content/uploads/2022/12/Antibiotika-ambulante-Paediatrie-Standard-2022-03.pdf (Punkt 4: Augeninfektionen)

zur Tipp-Übersicht

Weitere interessante Tipps

Selbstverletzendes Verhalten II

Ein schwieriges, belastendes Thema: selbstverletzendes Verhalten bzw. Ritzen. Vom Doc gibt's dazu das Wichtigste in Kürze. Für alle, die mehr lesen möchten, folgt ein Link zu einem Interview, das der Kinder- und Jugendpsychiater Frank Köhnlein dem Schweizer Elternmagazin „Fritz und Fränzi" gegeben hat.

Neurodermitis 2

Trockene, juckende, teils auch entzündete Haut - das kann Neurodermitis sein, muss es aber nicht. Denn so wichtig dieses Krankheitsbild ist, so kompliziert kann es auch sein, es zu erkennen und zu behandeln. Im zweiten Teil zum Thema schauen wir uns die Aspekte Behandlung, Pflege und Prognose an.

Säuglingsnahrung

Keine Frage: Die optimale Ernährung für jeden Säugling ist Muttermilch. Aber bitte keinen Druck, keinen Stress und vor allem keine Panik, wenn das Stillen nicht oder nicht immer gelingt.