Was kann und darf ein Kind (mit)entscheiden?
Der Doc hat bei Instagram das Video eines „Dadfluencers“ gesehen, der minutenlang versucht, sein 2-jähriges Kind dazu zu bewegen, dem Wechseln seiner Windel zuzustimmen. Ein guter Anstoß sich dem Thema „(Mit-)Entscheiden“ anzunehmen.
Vorneweg: Grundsätzlich ist es gut, dass wir uns heute viel mehr Gedanken darüber machen, wie wir Kinder in Entscheidungen mit einbinden können und nicht mehr einfach alles über deren Kopf hinweg entscheiden und machen.
Jetzt folgt, natürlich, das Aber.
Wir müssen uns dabei auch immer überlegen: Wie alt ist mein Kind und was kann es aufgrund der damit verbundenen Reife überhaupt schon für Entscheidungen treffen, ohne dass es überfordert ist?
Beispiel: Ein dreijähriges Kind kann nicht entscheiden, ob es „am Wochenende“ lieber ins Hallenbad will oder ins Tobidu-Erlebnisland. Denn es kann weder weit genug nach vorne denken, um einschätzen zu können was „am Wochenende“ bedeutet. Noch kann es sich wirklich vorstellen, worin genau die Unterschiede zwischen diesen beiden Aktionen bestehen. Das Kind gerät in emotionalen Stress, weil es etwas entscheiden soll, was es aufgrund seiner Reife noch nicht entscheiden kann.
Dazu kommt: Wenn ich mein Kind vor eine Entscheidung stelle, bei der es am Ende des Tages eigentlich nichts zu entscheiden gibt, dann ist das auch nicht besonders klug. Um im Beispiel des Dadfluencers zu bleiben: Die Windel muss ja irgendwann (bald) gewechselt werden, bevor die Haut des Kindes im Windelbereich wund wird.
Fazit: Zwei Dinge sollten wir immer überlegen, wenn wir Kinder in Entscheidungen einbeziehen wollen. Erstens: Kann das Kind diese Entscheidung aufgrund seiner Reife wirklich schon (mit)treffen? Und zweitens: Gibt es wirklich eine Entscheidungsfreiheit für das Kind oder stellen wir nur eine Pseudo-Entscheidung in Aussicht, obwohl es im Endeffekt gar keine Wahl gibt?
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