Was es mit dem Mongolenfleck auf sich hat
Medizinisch ist unser Thema heute ein ganz kleines, harmloses. Dafür ist ein bisschen Kulturgeschichte mit dabei - und sogar ein Ausflugstipp. Es geht um den sogenannten Mongolenfleck.
Dieser Fleck ist ein Muttermal, das bläulich-gräulich erscheint und bei Babys fast ausschließlich am Rücken über dem Steiß- und Kreuzbein oder auf den Pobacken zu finden ist. Bei Kindern mit chinesischer, japanischer, koreanischer oder mongolischer Abstammung oder auch bei Kindern von Inuit tritt dieser Fleck im Prinzip zu 99 Prozent auf. Je weiter man sich dann nach Westen bewegt, umso weniger häufig sieht man ihn. Bei uns in der Praxis sind es überwiegend Kinder von Familien, die ursprünglich aus Südost-Europa stammen, bei denen dieser Mongolenfleck auftaucht.
Sehr oft sind die Eltern dadurch ganz schön beunruhigt, aber es ist eine komplett harmlose Geschichte. Es braucht keine Diagnostik, keine Therapie, der Fleck wird weniger und verschwindet bis zur Pubertät meistens komplett. Medizinisch war das schon alles.
Nun zum kulturgeschichtlichen Teil: Beschrieben wurde der Mongolenfleck erstmals von einem deutschen Anthropologen: Erwin Otto Eduard von Bälz, der 1849 in Bietigheim geboren und im 20. Jahrhundert in Stuttgart gestorben ist.
Das war ein sehr interessanter Mensch, er war nämlich Leibarzt des japanischen Kaisers. Dort hat er auch diesen Fleck bei Kindern entdeckt und die Herkunft den Mongolen zugeschrieben. Das ist inzwischen sehr umstritten, man sagt, dass es vielleicht die Inuit waren, bei denen der Fleck zuerst aufgetaucht ist. Der Name Mongolenfleck ist also umstritten, aber er hat sich festgesetzt und es gibt keine gängige Alternative.
Noch zu Herrn von Bälz: Er hat unter anderem auch japanischen Kampfsport exzessiv betrieben, gefördert und auch nach Deutschland gebracht. Und er hat vor allem sehr viel japanische Kunst gesammelt und diese irgendwann einem Museum vermacht, und zwar dem Lindenmuseum in Stuttgart - womit wir beim Ausflugstipp und am Ende des Texts wären.
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