"Auf die Flügel kommt es an"
Der Doc ist ein großer Fan von Herbert Renz-Polster – Kinderarzt-Kollege und bekannter Autor. Über Bücher von ihm freut sich der Doc immer! So auch diesmal, wenngleich er einen kleinen Kritikpunkt hat …
Wie der Titel vermuten lässt, geht es im Buch darum, dass Erziehung auch und vor allem befähigend sein soll. Dass wir unseren Kindern Flügel verleihen bzw. ihnen die Zeit geben sollen, ihre Flügel zu entfalten. Damit sie später eigenständig in die Welt rausgehen können. Damit sie auch eine gewisse Resilienz und Stärke entwickeln, um mit kummer- und leidvollen Erfahrungen umgehen zu können. Dafür müssen wir als Erwachsene aushalten können, wenn es dem Kind emotional einmal nicht so gut geht. Wir müssen ihm beistehen, aber nicht jede negative Erfahrung vom ihm fernhalten.
Herbert Renz-Polster gelingt es, dies alles ganz großartig rüberzubringen, mit sehr viel Wärme und Verständnis für Eltern und für Familien. Und deswegen gibt es vom Doc auch eine ganz klare Lese-Empfehlung. Wie eigentlich für jedes Buch von Renz-Polster.
Eine kritische Anmerkung hat der Doc allerdings diesmal: Für sein Empfinden fehlt stellenweise ein bisschen Klarheit. Herbert Renz-Polster ist vielleicht ein bisschen in die Falle getappt, die gerade auch ein Stückweit Zeitgeist ist. Nämlich für wirklich alles und jeden Verständnis aufzubringen, damit man ja niemanden beschämt und keinem Elternteil irgendwie auf die Füße tritt. So eine Art Hyper-Verständnis.
Und gerade Herbert Renz-Polster, dessen Ton so wärmend und herzerfüllend ist, hat das gar nicht nötig. Und so fehlt es stellenweise eben ein bisschen an Klarheit. Ein Kapitel ist zum Beispiel mit der Frage überschrieben „Ist ‚nein‘ denn nicht immer auch ein bisschen Zwang?“. Natürlich ist es das, aber das ist doch auch in Ordnung. Wenn z. B. ein Kind an der Hauptstraße frei herumrennen und nicht an der Hand laufen will, dann ist ein klares „Nein“ doch die einzig sinnvolle Option. Und Eltern wäre doch mehr geholfen, wenn wir ab und zu auch eine ganz klare Position vertreten.
Doch insgesamt bleibt’s dabei: tolles Buch, klare Empfehlung!
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