Die nervigen Zecken
Mein Fazit nach knapp 15 Jahren als niedergelassener Kinderarzt: Zeckenerkrankungen stellen wahrscheinlich das am stärksten überschätzte Gesundheitsrisiko dar - zumindest aus Sicht der Eltern.
Jedes Frühjahr geht's wieder los: Zecken machen sich auf Wiesen und in Wäldern breit. Und ja, sie saugen sich auch mal am Körper unserer Kinder fest. Panik muss aber nicht aufkommen. In der Natur zu spielen, ist wichtig für Kinder. Es wegen Zecken zu unterlassen, ist keine Option. Natürlich kann man aber versuchen, die kleinen Blutsauger fernzuhalten: mit schützender Kleidung und/oder Anti-Zeckenspray. Ein gutes Rezept für ein rein natürliches Mittel gibt es bei uns in der Praxis.
Und wenn Ihr Kind doch mal eine hat? Die wichtigste Regel: Je kürzer die Zecke angesaugt ist, desto unwahrscheinlicher ist die Übertragung von Erregern. Besonders bei Borrelien geht man davon aus, dass es mindestens zwölf Stunden dauert, bis die Erreger übertragen werden können. Darum ist es hilfreich, Kinder abends nach Zecken abzusuchen.
Wie entfernt man eine Zecke? Optimalerweise mit einer Zeckenzange oder -karte, da die Zecke so am wenigsten gequetscht wird. Eine Pinzette tut es zur Not auch (möglichst zwischen Zeckenkörper und Haut greifen). Wichtig: Bleiben Teile des Beißwerkzeugs in der Haut - drin lassen. Im Normalfall „arbeiten" diese sich raus, ähnlich wie ein kleiner Spreißel. Das Infektionsrisiko ist durch die Reste nicht erhöht, darum ist „Herauspfriemeln" nur unnötiger Stress für Kind und Eltern.
Mein Rat: Schicken Sie die Zecken nicht ins Labor ein. Das ist teuer - und oft ist man danach so schlau wie zuvor. Denn trägt das Tier Borrelien in sich, heißt das noch lange nicht, dass diese auf den Menschen übertragen wurden. Und wenn sie übertragen wurden, heißt das noch lange nicht, dass eine Infektion ausgelöst wird. Gewissheit gibt es nur für den Fall, dass keine Borrelien gefunden werden.
Borreliose: Bei Kindern heilt die Borreliose durch eine antibiotische Behandlung normalerweise komplett aus. Die häufigste Form zeigt sich durch die sogenannte Wanderröte: ein kreisrunder Ausschlag, meist um die Bissstelle herum, manchmal auch an anderen Stellen, der zentrifugal wächst und in der Regel frühestens nach drei Tagen, evtl. auch erst nach zwei bis drei Wochen auftritt. Die Neuroborreliose zeigt sich bei Kindern meist durch eine sogenannte Faszialisparese, eine Lähmung von Teilen der Gesichtmuskulatur, die durch eine antibiotische Behandlung normalerweise auch komplett abheilt.
Die frühe Entfernung der Zecke ist der beste Schutz vor Borreliose. Borreliose ist häufiger als FSME und sehr gut behandelbar.
FSME: Oft fragen Eltern nach einer FSME-Impfung für ihr Kind, sind aber selbst nicht geimpft. Dabei kommen schwere Verläufe, die mit neurologischen Schäden einhergehen können, bei Kindern unter 10 Jahren eigentlich nicht vor, sondern nur bei Erwachsenen und Jugendlichen. Und auch da selten. Empfohlen ist die Impfung in Deutschland ab 3 Jahren (in der Schweiz ab 6), aus meiner Sicht ist sie im Grundschulalter völlig ausreichend.
Fazit: Raus in den Wald und auf die Wiesen. Kinder abends anschauen, Zecken entfernen, ruhig bleiben und bei Symptomen oder Unklarheiten natürlich den Kinderarzt fragen.
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