Hilfe, mein Neugeborenes ist gelb!
Heute geht es mal um die ganz, ganz kleinen Babys - und die Neugeborenen-Gelbsucht. Die ist in der Regel nicht schlimm - sollte aber dennoch genau im Auge behalten werden.
Die Neugeborenen-Gelbsucht (Neugeborenen-Ikterus) ist eigentlich keine Krankheit, sondern eher eine Phase, die zwei Drittel der Babys durchlaufen, ein ganz natürlicher physiologischer Prozess. Und zum Glück ist es ganz, ganz selten, dass diese Gelbsucht so ausgeprägt ist, dass man sie therapieren muss - weil es sonst zu irreparablen Schäden im Gehirn des Babys kommen kann.
Wie entsteht jetzt so ein Neugeborenen-Ikterus? Durch das sogenannte Bilirubin, einem Abbauprodukt des Hämoglobinstoffwechsels (Hämoglobin ist ein Bestandteil der roten Blutkörperchen, der für den Sauerstofftransport zuständig ist). Dieser Stoff ist für die Gelbfärbung der Haut verantwortlich. Im Normalfall wird Bilirubin in der Leber so verarbeitet, dass ihn der Körper ausscheiden kann. Bei Babys ist dieses System jedoch in den ersten ein, zwei Wochen noch nicht richtig ausgebildet. Deshalb neigen sie dazu, das Bilirubin in höherem Maße im Blut zu haben.
Klassischerweise fängt die Neugeborenen-Gelbsucht am zweiten oder dritten Lebenstag an mit dem Höhepunkt an Tag fünf bis sieben. Und so nach zehn bis 14 Tagen ist der Spuk eigentlich vorbei. Wenn Kinder ausschließlich gestillt sind, kann es auch mal über drei, vier Wochen gehen. Da wäre es aber dann wichtig, bei Kinderärztin oder Kinderarzt mal nachzufragen, ob das so alles in Ordnung ist. Ansonsten ist es eigentlich eine Sache der Hebammen, zunächst einmal einen Blick auf das Baby zu haben und mit den Eltern zu besprechen, ob diese Gelbfärbung der Haut und oft auch der Skleren (das Weiße im Auge) noch in Ordnung ist. Die Hebammen haben da eigentlich ein sehr gutes Auge dafür - und wenn es Sorgen und Zweifel gibt, dann schicken sie die Eltern in die Arztpraxis. Dort wird per Blutwert ermittelt, ob man das mit der Gelbsucht noch im grünen Bereich ist oder nicht. Wenn der Wert zu hoch ist, dann muss man das Baby leider in die Kinderklinik schicken. Dort wird es unter eine Lampe mit blauem Licht gelegt - dieses führt dazu, dass die Konzentration des Bilirubins im Blut wieder abnimmt. Ansonsten kann es sich im Gehirn einlagern und zu irreparablen Schäden führen.
Kurz zusammengefasst: Die Neugeborenen-Gelbsucht ist eigentlich nichts Schlimmes, sondern etwas Natürliches. Man muss nur ein bisschen ein Auge darauf haben - da gilt die alte Fußball-Verteidiger-Weisheit: Better safe than sorry. Sprich: lieber öfter mal die Kinderärztin oder den Kinderarzt konsultieren und einen Blick auf das Baby werfen lassen, bevor man irgendeinen schweren Hirnschaden riskiert.
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