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Tipp vom Doc

"Rupture and Repair"

„Rupture and Repair“ – klingt ein bisschen nach Haut- oder Haarpflege, ist aber ein Begriff aus der Psychologie. Und eine Idee, die Eltern im Alltag richtig helfen kann.

Wir erleben es oft, dass Eltern richtig Angst davor haben, was es mit ihrem Kind macht, wenn es mal richtig kracht daheim, wenn sie als Eltern einmal die Nerven verlieren oder so. Und da ist es wichtig, zu wissen: Ein Kind kann es sehr gut aushalten, wenn es mal knirscht. Psychologisch betrachtet ist es sogar wichtig, als Kind die Erfahrung zu machen, dass Dinge auch mal komplett schieflaufen, dass ein Vertrauensverhältnis kurzfristig zerrissen wird – und dann wieder repariert.

Darum also „Rupture and Repair“: Das Band zwischen Elternteil und Kind wird kurzzeitig zerschnitten – und dann wieder repariert, wenn es zur Versöhnung kommt.

Ein gutes Beispiel ist, wenn es in der Kinderarztpraxis beim Blutabnehmen für einen kurzen Moment notwendig ist, das Kind festzuhalten. Es hat Angst, es weint, ist verzweifelt, fühlt sich von den Eltern im Stich gelassen, weil die das trotzdem zulassen. Und dann ist alles vorbei, es kommt zur Versöhnung. Man meldet dem Kind zurück, dass man seine Angst wahrnimmt und sieht, wie es gelitten hat. Und so ist die Welt ganz schnell wieder in Ordnung. Es gibt einen Keks oder ein Eis und gut ist’s.

Eine andere typische Alltagssituation: Eltern bekommen nicht mit, dass das Kind gerade etwas von ihnen will, weil sie vielleicht gerade ins Handy vertieft sind. Das ist an sich nicht schlimm. Es sollte dann eben einen „Schnackler“ tun, man sagt zum Kind, tut mir leid, ich habe nicht aufgepasst und widmet ihm dann seine Aufmerksamkeit.

Dieser Vorgang, dieses „Rupture and Repair“, ist für die kindliche Entwicklung enorm wichtig, weil es emotional stabilisiert. Man lernt so: Die Welt zerbricht mal kurz für einen Moment und dann wird sie auch wieder heile. Das ist für die Ausbildung von Resilienz von hohem Wert.

Das bedeutet nun aber nicht, dass solche Situationen absichtlich herbeigeführt werden sollen. Sowas passiert im Alltag von ganz allein immer wieder. Wichtig ist, dass Eltern daran nicht verzweifeln, sondern wissen, dass sowas vorkommen kann und darf. Und dass es in dosierter Form für die kindliche Entwicklung sogar etwas Gutes ist.

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